wolfsgeheul.eu vom 22.12.2017

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Jetzt ist es bald so weit.

Schön, daß noch keiner auf die Idee gekommen ist, Weihnachten zu verlegen oder gar abzusagen, weil irgendeine Minderheit sich durch dieses christliche Fest gestört fühlt. Wahrscheinlich liegt das aber nur daran, daß es ohnehin zum gemeinen Event verkommen ist und Jesu Geburt kaum eine Rolle mehr spielt. Alle opfern stattdessen dem Gott des Konsumes und sind diesbezüglich über jegliche Grenze und Unterschiedlichkeit hinweg geeint. Eine Überlebensversicherung!

Für Weihnachtsfeiern an Schulen innerhalb der Unterrichtszeit gilt das allerdings leider nicht mehr in Gänze. Dabei singen die koptischen Christen beispielsweise „Stille Nacht“ selbstredend auf Arabisch.

Es fehlt an allen Ecken und Enden an Standhaftigkeit und Gelassenheit. Wer aber kein festgefügtes Wertegerüst mehr hat, der irrt herum ist weder in der Lage, sich klar zu positionieren, noch Dinge vernünftig neu zu denken.

Ein merkwürdiges Jahr neigt sich dem Ende zu. Zeit für ein paar besinnliche Tage! Gesegnete Weihnachten!

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

P. S.: Die nächste Kolumne erscheint am Abend des zweiten Weihnachtstages.

 

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wolfsgeheul.eu vom 15.06.2017

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Man sollte die Feste feiern, wie sie fallen.

Hugo von Hofmannsthal hat das so in Worte gekleidet:

„Fronleichnam

Von Glockenschall, von Weihrauchduft umflossen,
Durchwogt die Straßen festliches Gepränge
Und lockt ringsum ein froh bewegt Gedränge
An alle Fenster, – deines bleibt geschlossen.

So hab auch ich der Träume bunte Menge,
Der Seele Inhalt, vor dir ausgegossen:
Du merktests kaum, da schwieg ich scheu-verdrossen,
Und leis verweht der Wind die leisen Klänge.

Nimm dich in acht: ein Tag ist schnell entschwunden,
Und leer und öde liegt die Straße wieder;
Nimm dich in acht: mir ahnt, es kommen Stunden,

Da du ersehnest die verschmähten Lieder:
Heut tönt dir, unbegehrt, vielstimmiger Reigen,
Wenn einst du sein begehrst, wird er dir schweigen.“

Die hochoffiziellen Feiertage in Deutschland gehören meines Erachtens überdacht. Zuallererst plädiere ich für eine Bundeseinheitlichkeit. Wenn ich heute zum Beispiel Mails und Anrufe aus Sachsen erhalte, zeigt sich doch, daß es wenig sinnvoll ist, wenn die halbe Republik feiert und die andere arbeitet. Wir sind viel zu eng vernetzt und aufeinander angewiesen, als daß wir uns solche Mißverständnisse und Reibungsverluste leisten sollten. Und was spricht dagegen, wenn an einem Tag die Katholiken mit Fronleichnam den Ton angeben und zum Reformationstag zum Beispiel die Protestanten? So werden alle sensibel gemacht für die feierlichen Anlässe bestimmter großer gesellschaftlicher Gruppen. Auf dieser Linie könnte ich mir durchaus auch einen gesamtdeutschen jüdischen oder muslimischen Feiertag vorstellen. Und Manövriermasse haben wir als Feiertagsweltmeister genug, um die freien Tage nicht ins Kraut schießen zu lassen. Brauchen wir denn wirklich die Montage zu Ostern und Pfingsten und den zweiten Weihnachtstag?

Mein Wusch ist es, daß die Gesellschaft aneinander Anteil nimmt und Verständnis füreinander gewinnt. Die Reformation des Feiertagswesens könnte dabei ein nicht unwesentlicher Schritt sein.

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

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