In eigener Sache!

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„Ich muß noch Kolumne schreiben.“.

Seit mehr als drei Jahren stellte obiger Satz eine wunderbar vorzuschiebende Entschuldigung dar, wenn ich mich irgendwo verdrücken wollte. Nicht selten aber stimmte er auch, denn über neunhundert Kolumnen schreiben sich nicht, wenn man sich gehen läßt. Dabei habe ich es niemals als Bürde empfunden, wenngleich es schon eine gute Planung voraussetzte und so manches Mal der innere Schweinehund erfolgreich bekämpft werden mußte. Es handelte sich um eine selbstauferlegte Pflicht, die ich mit besonderer Freude und überwiegend großer Leichtigkeit nebenbei erledigt habe. An sogar mehr als einer Idee pro Tag hat es fast nie gemangelt und der Akt des Schreibens ging mir großenteils schnell von der Hand. Was also hindert mich daran, einfach so weiterzumachen? Nichts, wenn ich davon absehe, daß das Projekt bis heute pro bono läuft, was mich doch zuweilen ins Grübeln bringt!

Gleichwohl habe ich spontan beschlossen, mir und meinem Geheul ab sofort eine Pause zu gönnen. Nach dem vorläufigen Plan soll diese nach Ostern enden. Nicht auszuschließen wird es allerdings sein, daß ich mich, so mir der Sinn danach stehen sollte, hin und wieder trotzdem zwischendurch melden werde. Es lohnt sich also weiterhin ab und zu einmal reinzuschauen und wenn es nur zum Stöbern ist. Denn letztlich erschließt sich durch das werktägliche Erscheinen auch ein Almanach, der so manches bereits Vergessene wiederzubeleben vermag und zeigt, wie schnell die Zeit vergeht. Es wäre mir eine große Freude, hielten meine vielen Leser mir die Treue.

Gute Nacht und bis bald!

Ihr/Euer Wolf

 

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wolfsgeheul.eu vom 15.03.2016

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Prinzipientreue kann auch etwas Lustfeindliches haben.

Als ich am vergangenen Sonntag bei strahlendem Wetter auf dem Golfplatz meinen Flight mit einem fröhlich-ironischen „Helau“ begrüßte, weil in meiner Geburtsstadt Düsseldorf der Rosenmontagszug nachgeholt wurde, was in meinen Augen(s. Kolumne vom 08.02.2016) ein Unding war, schaute ich aber zunächst nur in fragende Gesichter, denn keiner hatte dieses Faktum präsent. Nachdem man jedoch realisiert hatte, worum es mir ging, sagte mein Kölner Freund wie aus der Pistole geschossen: „Ist doch schön, dann haben die ja tolles Wetter!“. Meine Einwände insbesondere auch gegen den von Kardinal Woelki erteilten Dispens für Karnevalstreiben in der Fastenzeit wischte er sinngemäß mit der Bemerkung weg: „Das ist mir doch egal. Den hätte ich gar nicht gefragt.“. Weitere Tiraden über unsere ausufernde Freizeitgesellschaft habe ich mir daraufhin tunlichst verkniffen. Mir war die Lust an der Unlust vergangen. Stattdessen war mir schlagartig bewußt geworden, daß man wissen sollte, wann es besser ist, mit seinen Kräften zu haushalten und Fünfe gerade sein zu lassen. Und obwohl ich mich für einen grundweg fröhlichen und lebensbejahenden Menschen halte, keimte in mir die Idee auf, daß häufiges Anstoßnehmen und Schimpfen bei aller Berechtigung und bei allem Spaß‘ an der Freud‘ eventuell doch immer auch einen kleinen Schatten auf der Seele hinterläßt und die Gesamtstimmung trübt, ob man es (wahrhaben) will oder nicht. Eigentlich blödsinnig, in dunkleren Zeiten obendrein noch ohne Not die Vorhänge zuzuziehen! Bei meiner weiteren Betrachtung der Welt, werde ich das Sonnige, sprich mein Wohlbefinden zukünftig vermehrt im Auge behalten. Das Leben könnte so einfach sein, müßte ich mich nicht allenthalben aufregen. Aber, was muß, das muß! Die Kunst liegt wie überall im richtigen Maß!

Zwei kurze, ohne pädagogischen Impetus hingeworfene Statements haben mir also komplett den Wind aus den Segeln genommen, und ich stand in der Flaute entwaffnet da. Gibt es ein größeres Glück, als sich mit anderen, aber insbesondere auch nahen Menschen auszutauschen, um seine eigenen Ansichten zu überprüfen, zu revidieren oder zu (ent)schärfen!? Besser und schneller kann man Klarheit nicht gewinnen. In diesem Falle fühlte ich mich stante pede nämlich eher nicht wie der große, aber unverstandene Zampano mit der fundierten und ausgewogenen Meinung, sondern mehr wie der Depp, der letztlich einfach nur den anderen den Spaß nicht gönnte. Touché! Im ersten Moment kein beglückendes Gefühl und außerdem ist Nicht-Gönnen-Können für Rheinländer eigentlich eine Todsünde! Meine Mutter, der ich die Anekdote im Vorab berichtete, empfahl mir übrigens, ruhig häufiger einmal auf meinen Kumpel zu hören. Welch‘ weiser Rat von einer waschechten Rheinländerin, die sich – der Vollständigkeit halber sei es erwähnt – natürlich den Zug im Fernsehen ohne Bedenken und Vorbehalte angeschaut hat! Stimmt! „Hör op zu schängen, Jung, dat lohnt sisch doch nit!“ hätte meine rheinische Oma wahrscheinlich gesagt. „schängen“ bedeutet übrigens „schimpfen“! Man muß wohl ab und zu nur auf sein Umfeld hören.

Vom Kölner lernen, heißt leben lernen! Danke, lieber Freund!

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

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