wolfsgeheul.eu vom 04.01.2019

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Unfaßbar!

Eine gespenstische Ruhe liegt über dem Land, eine Ruhe, die jedoch leider wenig bis nichts mit der besinnlichen Zeit zu hat. Während die SPD ihrem Ende entgegendämmert, die FDP sich als Nullnummer entlarvt und die CDU/CSU keine maßgeblichen Bodengewinne vorweisen kann, dräut über dem Osten ein Weitererstarken der AfD und von den Nahles, Lindners, Kramp-Karrenbauers und Söders dieser Welt gehen keinerlei entscheidende Impulse aus, die daran etwas ändern könnten. Es herrscht pure Angststarre.

Deswegen gibt es auch nichts zu schreiben, wenn man nicht auf die Belanglosigkeiten ausweichen, ins Zynisch-Satirische abgleiten oder nur klagen will.

Da bringt eine Meldung auf Bild-Online etwas Bewegung in die Bude. Der 90-jährige Kardinal Brandmüller bezeichnet die Gesellschaft als „ziemlich heuchlerisch“, weil das, was in der Kirche an Mißbrauch passiere, nichts anderes sei, als das, was in der Gesellschaft überhaupt geschehe. Als den eigentlichen Skandal sieht er die Tatsache, daß sich die katholische Kirche diesbezüglich nicht positiv vom Rest der Gesellschaft abhebe.

Da die Zahlen keine andere Sprache sprechen, ist der Einlassung des Kirchenmannes nichts entgegenzusetzen. Die Hatz auf die katholische Kirche und der Versuch, sie als besonders schlechtes Beispiel zu brandmarken, entbehren jedweder Grundlage und dienen der Sache in keinster Weise. Gleichwohl bezeichnet besagter Bild-Artikel die Aussagen als „unfassbar“.

Es wird Zeit, daß wir uns endlich einmal mit dem wirklich Unfaßbaren in unserer Gesellschaft und unserer Welt befassen.

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

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wolfsgeheul.eu vom 26.05.2018

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Jedem sein Schweinchen!

Mit dieser aus einer leicht verkürzten, falschen Schreibweise bzw. Aussprache resultierenden Verballhornung von „suum cuique“ bin ich großgeworden. Bereits vor meinem Lateinunterricht war mir der altehrwürdige und in jeder Hinsicht positiv besetzte Sinnspruch aus der Antike also nicht nur bekannt, sondern gehörte zu meinem Sprachgebrauch. Das hat sich auch nicht geändert, als ich früh erfahren mußte, daß sich die Nazis in zynischster und sinnentstellender Weise dieser Sentenz bemächtigt und ihn in das schmiederne Eingangstor zum KZ Buchenwald – zu allem Überfluß obendrein in Bauhaus-Stilistik! – aufgenommen haben. Die ursprüngliche und die später angemaßte Verwendung haben nämlich außer des Wortlautes nichts miteinander gemein und zu Recht niemanden bewogen, die vielfachen Inschriften in Gerichtsgebäuden zu unterlassen oder gar zu verbieten.

Wer demnach heute „Jedem das Seine“ sagt, für den gilt bis zum Beweis des Gegenteiles die Unschuldsvermutung insoweit, als er nicht im nationalsozialistischen Fahrwasser schwadroniert, sondern sich im Gegenteil einer gehobenen, vielschichtig bedeutsamen Sprache bedient. Natürlich entlarvt sich dagegen ein blöder Neonazi sofort, wenn er sich über dem Steiß eine Buchenwald-Silhouette inklusive des Spruches(s. Kolumne vom 22.12.2018) tätowieren läßt. Der Mehrzahl der anderen jedoch dürfte bona fide sein, so daß keinerlei Notwendigkeit besteht, die Sentenz auf den Index zu setzen.

Anderer Ansicht ist natürlich unsere leider zunehmend mächtiger werdende, vermeintlich korrekte Fraktion. Und deshalb sieht sich die Firma Peek & Cloppenburg im Auge eines  orkanartigen Shitstorms, weil sie in einer Zeitungsbeilage auf einer Seite mit vielen dort abgebildeten Herrenhemden meinte, die Worte „Jedem das Seine“ augenzwinkernd, weil sinnverengend, kommentierend einfügen zu müssen. Die einhellige Verurteilung lautet, man habe einen „Nazispruch“ verwendet und sei „geschichtsvergessen“ und „geschmacklos“. Nichts davon trifft zu.

Laßt uns bitte unsere Sprache! Sie bleibt was sie war und ist, auch wenn sich immer wieder Menschen ihrer zum Zwecke ihres frevelhaften Tuns bemächtigt haben und es weiterhin tun werden. Ein Generalverdacht vergiftet unsere Kultur und beraubt uns der differenzierten sprachlichen Möglichkeiten. Wer aber nicht elaboriert spricht, der denkt auch nicht so.

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

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