wolfsgeheul.eu vom 10.02.2017

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Eine moderne Frau werde ich mir wohl nicht mehr leisten wollen.

Nächste Woche ist Valentinstag. Bereits am vergangenen Mittwoch erschien in der FAZ im Finanzteil ein Artikel mit der Überschrift „Teures für die Teuerste“. Ein Online-Blumenversand  – klingt romantisch! – hat untersucht, wie teuer der Liebesbeweis den Galan an unterschiedlichen Orten zu stehen kommt. Der unterstellte Warenkorb enthält Blumen – ach, was! -, Spa, Essen, Kino und Übernachtung. Wir lernen daraus zuerst, daß man den Tag schon einmal nicht auf der eigenen Matratze ausklingen lassen darf. Und die Kosten belaufen sich dann im exklusiven München auf 718,83 und im billigen Dresden – tja, das kommt davon! – nur auf 510,50 Euro. In Prag geht die Sause übrigens sogar für rund 430 Euro über die Bühne und durch die Betten, wenn es einen nicht stört, in Tschechien zu weilen.

Nun habe ich den Feiertag noch nie ganz verstanden und ohnehin immer die Blumenindustrie als einzigen Drahtzieher hinter ihm angesehen. Außerdem gibt es eine Tradition vergleichbar mit Halloween eigentlich nur in angelsächsischen Staaten. Aber historisch geht das ganze Gedöns auf einen priesterlichen Märtyrer zurück, der heimlich Liebespaare traute, denen die Heirat staatlich verboten war. Demnach gedenkt man in Wahrheit der gesellschaftlich ausgegrenzten armen Schweine, die sich das finale Turteln nicht verbieten lassen wollten, und nicht der bürgerlichen Wohlstandsliebhaber, die meinen, ihrer Zuneigung nur im Luxus schwelgend Ausdruck verleihen zu können.

Sei es wie es sei! Diesen Blödsinn habe ich nie mitgemacht und werde ich nie mitmachen. Frauen, die sich mit mir gleichwohl einlassen wollen, sind also gewarnt. Und die Verflossenen werden sagen: Stimmt, da war er immer knickerig.

Aber Liebe und Geld sollten m. E. in keinem Zusammenhang stehen.

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

P. S.: Nachlese zu meiner Kolumne vom 07.02.2017: Während in Dresden auf dem Theaterplatz um zwei Uhr das Kunstprojekt „Lampedusa 361“ eröffnet wurde, zeigte der Mitteldeutsche Rundfunk auf seinem dritten Programm im Fernsehen „MDR um 2“ mit laut Homepage unter anderem folgenden Themen:

* Lkw gerät in Schieflage im Landkreis Börde

* Lauben brennen fast zeitgleich in Leipziger Gartenverein

* Schlaglöcher werden wieder zur Plage für Autofahrer

Noch Fragen?

 

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wolfsgeheul.eu vom 07.02.2017

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Der schöne Freistaat Sachsen und insbesondere seine prächtige Hauptstadt Dresden tuen viel dafür oder wohl besser zuwenig dagegen, daß man mit ihnen mehr und mehr die Geduld verliert. Dabei bleibt weiterhin unklar, wie verbreitet das verbohrte Hinterwäldlertum im Lande eigentlich wirklich ist, jedenfalls schaffen es die Aktivisten rund um Pegida unter tätiger Mithilfe der schweigenden Mehrheit, den Eindruck zu erwecken, als verträten sie die Mehrheit. Und auf diese Weise ziehen sie eine ganze Region in den Dreck.

Da schreibe ich gestern mit großer Freude über etwas Positives aus Chemnitz und wollte heute nämliches tun, indem ich über das großartige Projekt von Manaf Halbouni vor der Frauenkirche berichte, das heute um 13 Uhr feierlich eingeweiht werden sollte, und dann geht der Festakt wieder in die Hose und im Gebrüll der ewiggestrigen Pegida-und-Nazi-Hohlköpfe unter, ähnlich den Vorfällen am 03. Oktober letzten Jahres zum Tag der Deutschen Einheit.

Anlaß für die Installation von drei hochkant gestellten Omnibussen gab ein im Jahre 2015 Aufsehen erregt habendes Photo aus den Straßen im umkämpften Aleppo, das die von Zivilisten in gleicher Weise errichtete Barrikade, die vor den Kugeln der Scharfschützen Schutz bieten sollte, zeigte. Als Mahnmal soll es im Zusammenhang mit dem sich wieder jährenden Bombardements Dresden und im Ensemble mit der Frauenkirche ein ermutigendes Signal für die Möglichkeiten eines Wiederaufbaus in Syrien stehen. Genial! Halbouni, ein Deutsch-Syrer aus Damaskus, der perfekt Deutsch mit Dresdener Dialekt spricht und sich offen zu seiner neuen Heimatstadt bekennt, kam 2009 nach Deutschland und konnte mit seinem Projekt unter eigenem Honorarverzicht die Stadtoberen und weitere öffentliche Geldgeber überzeugen. Eine spektakuläre Aktion, die geeignet ist, das Elbflorenz positiv in die Schlagzeilen und (zunehmend ausbleibende) Besucher (wieder) in die Stadt zu bringen.

Die Einweihungsfeier wurde dann von rund einhundert im Vorfeld organisiert – es handelte sich aber ausdrücklich nicht um eine angemeldete Gegendemonstration – zusammengerotteten Pöblern derartig gestört, daß ein geordneter Ablauf unmöglich war. „Schrott“-, „Schande“- und die bekannten „Volksverräter“- und „Lügenpresse“-Rufe waren noch die milderen Rüpeleien. Es fiel sogar auch der Begriff „entartete Kunst“. Ein Dresdner, der unter den leider recht wenigen Festbesuchern stand und mit dem ich kurz telephonieren konnte, sprach von einem Totalversagen der Polizei, wobei er wie ich darauf wert legt, nicht zu denen zu gehören, die dazu neigen, vorschnell und pauschal die Ordnungshüter zu verurteilen. Wenigstens ist es den Polizisten gelungen, Übergriffe zu verhindern, aber der befragte Augenzeuge sprach von einer ihm bis dato nicht begegneten Aggression, bei er sich keinesfalls mehr sicher war, ob sie ohne Präsenz der Ordnungsmacht nicht auch in Tätlichkeiten übergegangen wäre.

Wie kann so etwas passieren? Jeder mußte doch wissen, daß grenzenlos dumme Menschen, die trotzdem glauben, sich ein Bild von Kunst machen zu können, das sie obendrein befähige, gut von schlecht zu scheiden und gar von „Entartung“ sprechen zu dürfen, sich einen solchen Anlaß nicht nehmen lassen würden. Da heißt es präpariert sein und einmal ein Exempel zu statuieren, indem solche Horden notfalls auch gewaltsam von der Feierstätte fortgeschafft werden. Aber stattdessen müssen der brave und tapfere FDP-Bürgermeister Hilbert, der sich und seine Familie zur Zeit sogar Todesdrohungen ausgesetzt sieht und unter Polizeischutz steht, weil er gewagt hat, Dresden als Teil Nazideutschlands nicht von jeglicher Schuld freizusprechen, und der Pfarrer der Frauenkirche sich niederschreien lassen und kapitulieren. Ein Offenbarungseid in unserer freien Republik und erneut ein vollkommen unnötiger Makel für das ohnehin schon stark gebeutelte Dresden.

Aber die Ursachen sind wie immer ganz oben zu suchen. Warum waren der Ministerpräsident und maßgebliche Regierungsmitglieder nicht anwesend? Und warum sendet der MDR nicht live vom Geschehen und zeigt stattdessen für die arbeitslosen oder verrenteten Pegidasympathisanten auf ihrem versch(l)issenen Ostsofa den seichten DDR-Spielfilm von 1969 „Mit mir nicht, Madam!“?

„Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“ Und es wird damit bedauerlicherweise nicht heller in Dunkeldeutschland. Wann gedenkt man dort wohl aufzuwachen?

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

 

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