wolfsgeheul.eu vom 01.04.2016

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Genscher ist tot! R.I.P.!

So gehen sie dahin, die großen, markanten Köpfe und die aktuellen Abziehbilder in ihrer Nachfolge trauern unisono via Twitter. Da verschwindet nicht nur eine Generation, sondern leider auch ein Typus Mensch, der die Bevölkerung noch mitreißen und begeistern konnte. Eine Frage von intellektueller Klasse, Verantwortungsbewußtsein, Disziplin und Authentizität! Gleichwohl könnte man den Alten – jeder macht Fehler – vieles vorwerfen, dafür ist aber hier angesichts des Todes nicht der richtige Platz. Eines jedoch muß gesagt werden und darf es auch, weil es gleichzeitig eine Ehrung des Verstorbenen beinhaltet, und das ist die traurige Tatsache, daß ihnen nahezu ausnahmslos bedauerlicherweise der unabdingbare  Schritt zu wahrer Größe nicht in ausreichendem Maße gelungen ist, vergleichbar charaktervolle Individualisten heranzuziehen und in ihre Fußstapfen treten zu lassen. Muß denn auf gut immer schlecht und auf schlecht noch schlechter folgen!? Damit hat der verdiente Platz in den Geschichtsbüchern einen ewigen Makel, wenngleich Hans-Dietrich Genscher eingestandenermaßen mit Westerwelle grundsätzlich nicht den schlechtesten Riecher hatte. Wer aber letztlich nicht für gleichgute oder sogar bessere Erben sorgt, hat nicht unmaßgeblich versagt. Da hat dann wohl die eitle Lichtgestalt doch einen zu langen Schatten geworfen, in dem nichts gedeihen konnte. Schade!

Was gab es sonst am 1. April?

Die FAZ hat meines Erachtens – das sage ich auf die Gefahr hin, mich kräftig zu blamieren – keinen Scherz in ihrer heutigen Ausgabe versteckt. Sollte ich recht haben, postuliere ich, daß man aber nicht automatisch gebildet ist, nur weil man sich des Blödelns enthält. Vielmehr hat man sich dann einzig der intellektuellen Herausforderung nicht gestellt.

Und:

Aus Prügel-Persern werden Prügel-Türken! Obama hat nach den unerträglichen Kompetenzüberschreitungen türkischer Sicherheitskräfte in Washington gegen Demonstranten und Journalisten im Vorfeld des Erdogan-Besuches umgehend im Kanzleramt angerufen und nachgefragt, was wir 1967 gegen die allerdings subtiler vorgetragenen Eingriffe in deutsche Hoheitsrechte durch als Gegendemonstranten getarnte Mitarbeiter des iranischen Geheimdienstes SAVAK in West-Berlin unternommen haben. Die Antwort von Frau Merkel war „Nichts! Stattdessen hat sich der damalige Bundesinnenminister nachträglich beim Schah für die Proteste sogar entschuldigt.“. Ob sich der amerikanische Präsident mit dieser Auskunft zufrieden geben wird, bleibt fraglich. Hoffentlich reagiert er besser und vor allem deftig! Dem türkischen Präsidenten gehört nämlich definitiv einmal gehörig der Kopf gewaschen, damit er nicht abhebt. Ganz gut gelungen ist das übrigens dem gestrigen Neo Magazin Royal, das sich auf die Gratwanderung begeben hat, als Beispiel durch verbrämte Reime, die Erdogan massiv beleidigen, zu erläutern, was nicht mehr erlaubte Satire, sondern bereits unerlaubte Schmähkritik ist. Da darf man auf die vielleicht nicht ausbleibenden juristischen Scharmützel gespannt sein und sollte hoffen, daß die anwaltliche Expertise die Sendung auf dem schmalen Höhenweg gehalten hat. Beim ZDF scheint man diesbezüglich allerdings nicht sehr optimistisch zu sein, denn die gesamte Folge wurde inzwischen mit der fadenscheinigen Begründung, das Gedicht genüge den Niveauansprüchen des Hauses nicht, aus der Mediathek entfernt. Gesendet ist gesendet und vorauseilender Gehorsam ist – oder hat die Bundesregierung da etwa nachgeholfen!? – feige, auch beim Staatsfernsehen! Aber sicherlich kann man die Sequenz bald und für alle Ewigkeit bei YouTube anschauen. Herr Erdogan, sie müssen noch viel lernen! Hoffentlich bringt man es ihnen schnell und unmißverständlich bei.

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

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wolfsgeheul.eu vom 31.03.2016

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Sind ältere Herren, die einer zwielichtigen Organisation vorstehen und es gewohnt sind, auf der ganzen Welt mit allem umgarnt oder gar bestochen zu werden, was das (Männer-)Herz begehrt, wohl Gegner von Zwangsarbeit? Eher nicht!

Das nenne ich einfältig, Amnesty International, wenn du in einem Bericht zur Fußball-WW 2022 in Katar der FIFA vorwirfst, gegen mutmaßliche Menschenrechtsverstöße beim Bau der Spielstätten nicht Ausreichendes zu unternehmen und sie aufforderst, den Druck auf die dortige Regierung zu erhöhen. Der Inbegriff der deutsch-kaiserlichen Einfalt, Franz Beckenbauer, hat dazu bereits 2014 mit „Ich hab‘ noch nicht einen einzigen Sklaven in Katar gesehen.“ den abschließenden Satz gesprochen. Und ohne Ausbeutung, Zwangsarbeit und Sklaverei wäre doch auch die weltweite Prostitution unmöglich, was den Spaß der FIFA-Mannen bei ihren Test- und Vergabereisen mit ziemlicher Sicherheit maßgeblich reduzieren würde. Also, Amnesty, eure Aufforderung ergeht an die Falschen! Die werden ihren gönnerhaften Gastgebern niemals richtig ans Bein pinkeln. Sie sind vielmehr in deren Schuld.

Die Frage bleibt  aber, ob überhaupt jemand berufen ist, die Verhältnisse in Katar, soweit sie beklagenswert sind, zu kritisieren. Zu denken wäre an die deutsche Regierung. Wenn aber sogar auf Baustellen des Bundes in Berlin schon illegale Bauarbeiter entdeckt worden sind, sollte diesbezüglich vielleicht Zurückhaltung angezeigt sein. Grundsätzlich ist doch anzunehmen, daß im Bereich der Wanderarbeit immer und überall Schindluder getrieben wird. Schlechte Bezahlung und menschenunwürdige Unterbringung sind dabei nur die Spitze des Eisberges. Auch bei uns! Das mag zwar desillusionierend sein, ist aber leider die Realität! Wer – wie wir alle mehr oder minder – davor jedoch die Augen verschließt, weil die Wirtschaft nun einmal so funktioniert und es kaum bis gar nicht zu verhindern ist – und das nicht nur in unfreien Ländern! -, der ist wohl kaum dazu berufen, laut Kritik an anderen zu üben. Außerdem sollte nicht vergessen werden, daß ein beträchtlicher Teil der Menschen, die sich derart verdingen, dies letztlich freiwillig tut, weil es allemal besser ist, als in den armen und/oder krisengeschüttelten Heimatländern gar nichts zu verdienen und Hunger zu leiden. Auch zum Ausbeuten gehören immer zwei Seiten, die, die es unternimmt, und die, die es mit sich machen läßt, weil sie es will oder keine andere Wahl hat, wenn sie und ihre Familien überleben wollen. Und vielleicht geht es den Betroffenen in Katar noch weit besser als in anderen Ländern dieser Erde!? Auf dieser Bigotterie basieren nicht unwesentliche Teile unseres Wohlstandes. Wer das beklagt, vergießt immer auch Krokodilstränen, weil er nicht frei davon ist, es zu wissen oder mindestens zu ahnen und auf die eine oder andere Art, ob er will oder nicht, selbst davon zu partizipieren.

Gleichwohl sind Organisationen wie Amnesty natürlich wichtig, weil sich nichts ändert, wenn nicht manche wenigstens ständig Aufmerksamkeit anmahnen, Mißstände anprangern und Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung fordern. Doch letztlich müssen sich selbst Menschenrechtsorganisation eingestehen, daß ihre Daseinsberechtigung und die Einkunftsmöglichkeiten ihrer Funktionäre und Mitarbeiter davon abhängen, daß es überhaupt etwas zu kritisieren gibt. Auch hier herrscht ein Verhältnis von Geben und Nehmen, da sollte man sich keinen Illusionen hingeben. Es ist Teil des Spiels und durchaus auch das Kalkül von manchen vermeintlichen Gutmenschen! Gäbe es das Böse nicht auf der Welt, keinen Haß, keine Gier und keine Raffsucht sowie keine Kämpfe um Macht und Bedeutung, wären viele Menschen – auch Teile der guten – arbeitslos. Ob der Aktivist, der bona fide ist, sich das  immer bewußt macht, darf bezweifelt werden.

Nichtsdestotrotz sollte aber jeder sein Scherflein dazu beitragen, die Welt ein bißchen besser zu machen, auch wenn es anstrengend ist, meistens nur Sisyphos nachzueifern. Das beharrliche Wollen und Tun dürfte bei aller überwiegenden Vergeblichkeit nämlich gleichwohl einen Anteil daran haben, daß die Dinge nicht vollends aus dem Ruder laufen. Auch kleine Schritte zählen. Es ist halt eine Lebensaufgabe, wenn einem nicht alles egal ist.

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

 

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