wolfsgeheul.eu vom 08.12.2016

2
0

„Dafür habe ich keine Zeit.“!

In südlicheren Gefilden wahrscheinlich eher selten gebraucht, bei uns ein Klassiker unter den Standardsätzen! Und er stimmt fast nie, da es sich überwiegend um eine Frage der Prioritätensetzung und der Organisation handelt.

Heute mußte ich wegen einer neuen Brille zwecks Sehtestes mittags zu meinem Optiker in die nahe Innenstadt und hatte die Idee, den schönen Spaziergang mit einem Mittagssnack – irgendetwas muß man irgendwann im Laufe des Tages essen – zu verbinden. Freundin angefunkt, verabredet und los!

Und dann läuft man durch eine ordentlich, nicht nur von Touristen und Weihnachtsshoppern belebte Innenstadt und fragt sich ähnlich wie bei Fahrten zur Unzeit über volle Autobahnen, was die anderen dort machen und wollen und vor allem wie diese Menschen es im Gegensatz zu einem selbst, der doch nur notwendige Termine erledigen will und muß, sich ermöglichen, mitten am Tag durch Aachen zu schlendern. Viele werden natürlich darunter sein, die das vice versa auch von mir denken.

Vielleicht gehört der Eurogiobewohner aber auch zu jenem Menschenschlag, der es besser versteht, bei aller Betriebsamkeit dem Leben gleichzeitig die netten Seiten abzugewinnen. Denn eines ist klar, ein solches Päuschen vom Alltag tut einfach gut. Der Zeitverlust hält sich in Grenzen und muß halt wieder rausgeholt werden, was jedoch, nachdem man derart abgeschaltet und Kraft getankt hat, sogar um einiges leichter fällt, als hätte man stur durchgearbeitet.

Lebensart kann, wenn sie nicht im Blute liegt oder sonstwie verinnerlicht wurde, in Maßen gelernt werden. Und dazu gehört, so man überhaupt grundsätzlich Lust dazu hat, häufiger den Satz

„Ja, ich komme gerne!“

zu benutzen, selbst wenn es einem vermeintlich gerade nicht in den Kram paßt. Meine Freundin hat den Dreh schon raus, und ich werde versuchen, von jetzt ab mindestens einmal die Woche zum Sehtest zu gehen. Mit Zweien sieht man eben besser!

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

2
0

wolfsgeheul.eu vom 07.12.2016

2
0

Ehrenamt – eine Zwickmühle!

Vorgestern wurde der „Tag des Ehrenamtes“ begangen. Angeblich engagiert sich jeder dritte Deutsche ehrenamtlich. Natürlich zählen darunter auch klassische Tätigkeiten als Stadtrat, Schöffe etc.. Auch Vorstände in einem Sportverein sind gewöhnlich unbezahlt. Aber hauptsächlich fassen wir heute die unter den Begriff, die sich uneigennützig um die Abgehängten in unserer Gesellschaft kümmern.

Und obwohl nach meinen Eindruck die Bereitschaft zu altruistischer Arbeit in der Bevölkerung eher sinkt, sind es viele Millionen Bürger, die aus welchen Motiven auch immer etwas unternehmen, um anderen zu helfen.

Grundsätzlich – das weiß ich(s. auch Kolumne vom 03.03.2016) aus über zwanzigjähriger Erfahrung – gibt es gegen diese Art der Betätigung überhaupt keine Einwände. Es fördert und stärkt in jeder Hinsicht die Gemeinschaft, und – dieser Aspekt ist beileibe nicht unterzubewerten – obendrein macht es einfach Spaß und ist ausgesprochen beglückend und befriedigend.

Immer mehr aber werden auch kritische Stimmen laut, weil sich die Staaten, Länder und Kommunen in bestimmten Bereichen inzwischen darauf verlassen, daß eigentlich hohheitliche Aufgaben von Freiwilligen übernommen werden. In Zeiten chronisch klammer Haushalte freut sich der jeweils Finanzverantwortliche, wenn er bestimmte Posten im Budget anderweitig verwenden kann, was natürlich die grundsätzliche Tendenz zum Sparen am falschen Ende noch zusätzlich begünstigt.

An diesem Samstag werde ich mit meinem Lions Club vor einem Großmarkt ganztägig für die Maastrichter Tafel Lebensmittel sammeln, indem wir die Besucher bitten, im Laufe ihres eigenen Einkaufes aus einer Liste Waren zu erwerben und uns am Ausgang kostenlos zur Verfügung zu stellen. Bei den Armenspeisungen sind sich die Fachleute wohl einig, daß diese eigentlich in die öffentliche Verantwortung fallen.

Sollten wir uns also besser verweigern, um damit die Behörden zwingen, ihrer Aufgabe endlich auch gerecht zu werden? Und würden wir damit kurz- und mittelfristig etwas bewegen und ändern? Allemal hätten wir ein schlagendes Argument, um die Hände in den Schoß zu legen, statt uns einen ganzen Wochenendtag für die (vermeintlich) gute Sache abzuzwacken. Natürlich kann das nicht die Lösung sein! Das wäre Prinzipienreiterei auf dem Rücken der Schwachen.

Insofern ergibt sich eine doppelte Verpflichtung, nämlich neben der karikativen Tätigkeit auch politisch – ebenfalls im Zweifel im Ehrenamt – dafür zu sorgen, daß der Staat das tut, was des Staates ist. Wer A sagt, muß eben auch B sagen.

Um so deutlicher wird, wie wichtig ehrenamtliches Engagement ist. Ohne diese Bereitschaft laufen freie Gesellschaften aus dem Ruder. Der Eingangssatz stimmt also nicht. Eine diesbezügliche Zwickmühle entsteht nur, wenn man das eine tut und das andere läßt. Deshalb ist unsere Aktion am kommenden Samstag auch eine Protestveranstaltung, die die öffentliche Hand sichtbar anklagt, ihrer Verantwortung nicht nachzukommen.

Von nichts kommt nichts!

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

2
0