wolfsgeheul.eu vom 02.02.2016

0
0

Wenn man zur Weltspitze im Sport gehören will, muß man sich von Kindesbeinen an quälen. Talent allein reicht da nicht aus.

Jetzt freut sich unser ganzes Land, daß mit Angelique Kerber endlich einmal wieder eine Deutsche einen Grand Slam-Titel erobert hat. Das Geheimnis ihres Erfolges liegt wie bei allen anderen Topspielerinnen in hoher Disziplin und unbedingtem Siegeswillen.

Wenn man nun genauer hinschaut, stellt man Interessantes fest. Frau Kerber ist in Bremen geboren, hat polnische Eltern und neben dem deutschen sogar auch den polnischen Paß. Andrea Petkovic hat bosnisch-serbische Wurzeln, Sabine Lisicki ebenfalls polnische. Das deutsche Fedcup-Team wird also maßgeblich von solchen Sportlerinnen getragen. Mit Wosniaki(Dänemark, poln.), Wosniak(Kanada, poln.), Dokic(Australien, jugoslawisch) etc. kann man die Liste, auf andere Länder übertragen, nahezu beliebig erweitern. Sechs – Kerber eingerechnet – Spielerinnen der aktuellen Top Ten der Welt – bei den Männern sind es übrigens nur zwei – stammen aus Ländern des ehemaligen Ostblocks. Da liegt es nahe, daß sich dieses Phänomen in vielen anderen Frauensportarten – sicher zum Beispiel im Turnen – ebenfalls nachweisen ließe. Selbst die atemlose Helene Fischer stammt aus Rußland. Auch eine große Zahl aktueller deutscher Topschauspielerinnen kommt landsmannschaftlich aus dem Osten. Und in der Musik war es schon immer so, daß eine qualitativ hochstehende Ausbildung gepaart mit besonderem persönlichen Ehrgeiz östliche – und zumindest hier auch fernöstliche – Spitzenkräfte ganz nach oben gebracht haben.

Was kann man daraus ableiten?

Zunächst einmal – und das wirft ein interessantes Schlaglicht auf die Einwanderungsthematik -, daß die Durchmischung in unserer globalen Welt den jeweiligen Zielländern von Emigration durchaus Vorteile beschert! Es kommen eben offenbar sehr viele mit dem Bestreben und eisernen Willen, aus ihrem neuen Leben etwas Außergewöhnliches zu machen.

Darüberhinaus bietet sich die Vermutung an, daß es signifikante Mentalitätsunterschiede gibt, die Menschen östlicher Herkunft prädestinieren, den harten Weg an die Spitze anzutreten und durchzuhalten.

Vielleicht nährt sich aber zusätzlich die Stärke der einen maßgeblich an der Schwäche der anderen. Es erscheint nämlich naheliegend, daß in der westlichen Welt sozialisierte, damit bisher auf Rosen gebettete Menschen gar nicht mehr den unbedingten Drang verspüren, sich für ein Ziel aufzuopfern. Sie geben sich offensichtlich eher mit dem Mittelmaß zufrieden. Das jedoch kann auf Dauer nicht gutgehen, denn Stillstand ist Rückschritt und es droht über kurz oder lang sogar der Fall in die Bedeutungslosigkeit.

Warum aber sollte in einer globalen Welt immer nur die eine Seite von der anderen lernen und damit letztlich die Lehrmeister überflügeln? Auch umgekehrt müßte doch eine Befruchtung stattfinden, die den Ehrgeiz der vorübergehend Abgehängten anstachelt und sie motiviert, dagegen zu halten.

Genau hier liegt der Grund, weshalb wir dringend eine solide und geregelte Einwanderungspolitik benötigen. Es gilt, im Werben um die Besseren und Besten der Welt die Nase vorn zu haben, und so eine ganze Gesellschaft/Nation wachzurütteln und wieder dazu zu bringen, sich selbst mehr als eine durchschnittliche Leistung abzuverlangen. Wer die Kunst der klugen Auswahl nicht beherrscht, wird sich dauerhaft schwächen und ins Hintertreffen bringen. Meistert man diese Herausforderung aber, ergibt sich sogar ein weiterer positiver Effekt. Eine prosperierende Gesellschaft ist dann nämlich auch umsomehr in der Lage,  eine erkleckliche Zahl von Armen und Schwachen aufzunehmen und zu fördern. Und wenn dann noch eine maßgebliche Befriedung der Brandherde auf dieser Welt gelänge, gäbe es zukünftig auch wieder gegenläufige Wanderungsbewegungen, denn die meisten Menschen neigen doch dazu, sich in ihren Heimatländern am wohlsten zu fühlen, wenn dort ein friedliches und chancenreiches Leben möglich ist.

Das stellt die Hauptaufgabe des einundzwanzigsten Jahrhunderts dar, und an ihrer Bewältigung hängt das Gleichgewicht unserer Welt. Denn wenn auf einer Eisscholle alle auf einer Seite stehen, wird sie kentern und alle in den kühlen Tod reißen . Mit diesem Untergang ist dann aber keinem geholfen. Bedingungslose Gerechtigkeit und Gleichheit sind in diesem Zusammenhange nicht nur keine vorrangigen, sondern sogar dumme Ziele. Die Chancen ergeben sich doch letztlich immer aus dem und im Wettbewerb. Und genau in diesem Sinne muß das Problem angegangen werden, um die aktuelle Krise zu bewältigen. So geht Zukunft!

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

0
0

wolfsgeheul.eu vom 22.07.2015

0
0

Wie so oft fallen einem im nachhinein Dinge ein, die man hätte anders oder besser machen können und sollen. In Bezug auf meine gestrige Kolumne betrifft das die versäumte Erwähnung von Friedensnobelpreisträger(1984) und Ex-Erzbischof der Anglikaner, Desmond Tutu, dessen Rolle zur Überwindung der Apartheid und im Umwälzungsprozeß keinesfalls zu unterschätzen ist, und der, wie dem Wikipedia-Eintrag entnommen werden kann, interessanterweise schon 1975 in einem Brief an den damaligen Ministerpräsidenten von einem „Pulverfaß, das jederzeit explodieren kann“   gesprochen hat. Selten ist eine Lunte so lang, daß man sie nach anderthalb Jahrzehnten noch rechtzeitig austreten kann.

In obiger Ergänzung steckt eine weitere Erkenntnis. Veränderungen brauchen Zeit und ein konstantes daran Glauben und Arbeiten. Eigentlich eine Binsenweisheit.

Aber genau an den Eigenschaften Geduld und Hartnäckigkeit mangelt es meines Erachtens in unserer heutigen, furchtbar schnellebigen und sich kurzfristig zum Teil extrem wandelnden Zeit allzu häufig. Den Menschen geht mehr und mehr ein grundsätzliches Interesse an den wirklich wichtigen Dingen – für Sport, Urlaub und Konsum zum Beispiel gilt das nicht – verloren, der Atem wird kurz und kürzer. Und die Gier nach immer neuen Höhepunkten läßt wichtige Themen von heute schon tags darauf in den Hintergrund treten.

Einem Menschen mit festem Wertekanon, Disziplin und Prinzipien kann das aber nicht oder bei weitem nicht so leicht widerfahren. Und da verbirgt sich anscheinend der springende Punkt. Woran liegt es, daß Personen, die sich solcherart fast immun gegen Moden und Strömungen machen und gerade und redlich ihren Weg gehen, ganz offenbar nicht mehr die Oberhand haben und stattdessen die Beliebigkeit und das Sprunghafte fröhliche Urständ mit beginnend dramatischen Folgen feiern? Es ist doch erschreckend, mit ansehen zu müssen, wie tragende Säulen der Gesellschaft wie Kirchen, Parteien, Vereine  etc. zunehmend einen Exodus erleben. Bei aller berechtigten Kritik ist es doch gleichfalls eine Binsenweisheit, daß sich Strukturen und Organisationen überwiegend nur von innen heraus und durch aktive Mitarbeit wandeln lassen. Wer nicht aufbegehrt, sondern von Bord geht, kann am Prozeß nicht mehr teilhaben und überläßt kampflos das Feld, möglicherweise sogar gerade denen, die er eigentlich überwinden möchte.

Der schwächer werdende Mensch ist aber nur ein Teil des Problems. Auch die Organisationen tragen eine gehörige Mitschuld daran, daß viele ihrer Anhänger und Mitglieder zermürbt auf- und sich dem Müßiggang und Egozentrismus oder höflicher der inneren Emigration hingeben. Die gerade in Krisenzeiten sogar noch zunehmende Mentalität des Sichabschottens und Zurückziehens auf Altes und Bewährtes verschließt sich immer mehr auch Bestrebungen nach Anpassung, Veränderung und Erneuerung. Daß zum Beispiel in den Parteien weiterhin die Ochsentour vor fast jeder Karriere steht, schreckt doch zwangsläufig die ab, die von außen respektive als potentielle Quereinsteiger kommen und maßgeblich mittun möchten und könnten. Dabei verkennen die Organisationen, daß eine Einmischung von neuen Köpfen und Gesichtern eine große und erfrischende Chance für das eigene Überleben und keinesfalls eine Gefahr für die Existenz des Gesamten darstellt. Neue und unverbrauchte Ideen, ein ungetrübter Blick sowie außerhalb gewonnene Erfahrungen haben bisher keinem „Verein“ geschadet. Da es aber Altgedienten, die sich in ihrer Pfründe wohlig eingerichtet haben, berechtigt an den Kragen gehen könnte, gerät der ganze Apparat ins Stocken, stagniert und blutet früher oder später aus. Die Angst vor dem Wandel macht passiv, obwohl exakt das Gegenteil gefordert wäre.

Vielleicht und hoffentlich ist meine These, daß das Wertebewußtsein im Sinkflug begriffen sei, also sogar falsch, und in Wirklichkeit ist es so, daß die betreffenden Menschen – halb zog man sie, halb sanken sie hin – nur auf das Abstellgleis geleitet wurden. Dann wäre diese wichtige Ressource noch ungeschmälert vorhanden und müßte lediglich reaktiviert werden.

Beide Seiten müssen lernen und wieder aufeinander zugehen, um zum allseitigen Nutzen und Frommen am Erhalt einer stabilen Gesellschaft mitzuwirken.  Geschieht das nicht, werden wir zum Spielball derer, die diszipliniert, unbeirrt und in sich gefestigt die Stärke entwickeln können, die es braucht, um Verantwortung zu übernehmen und Macht auszuüben. Die potentiellen Kandidaten, an denen niemand gelegen sein kann, klopfen schon und immer lauter an unsere Tür.

Tut also mit, wenn ihr etwas verändern wollt, ohne dabei das Große und Ganze über den Haufen zu werfen. Dicke Bretter wollen gebohrt sein. Weglaufen hilft nicht nur nicht, es schadet massiv und wahrscheinlich irreversibel.

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

 

 

0
0