wolfsgeheul.eu vom 18.07.2016

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Der Politiker aus meiner Kolumne vom vergangenen Dienstag ist übrigens eine von mir durchaus geschätzte Person weiblichen Geschlechtes, mit der ich mir in anderer Sache sehr einig war, nämlich daß es aufgrund der technischen Möglichkeiten der Eindrucksvermittlung spätestens heute eigentlich keiner Zoos mehr bedarf und es grundsätzlich bedenklich bis verwerflich ist, schöne, wilde Tiere einzusperren. Folgendes Gedicht kannte sie nicht:

„Der Panther

Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.“

(Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris)

Meine Politikerfreundin war sehr gerührt, nachdem ich es ihr vorgetragen hatte. Sie hat halt ein Herz.

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

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wolfsgeheul.eu vom 17.07.2016

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Die May ist gekommen und Johnson wird Außenminister! Spannend dieser BREXIT! Und was für ein sympathischer Abschied Camerons im Unterhaus. Humorvoll und geistreich! Hätten wir so etwas doch in unserem Hohen Hause auch häufiger.

 

„Das Karussell

Jardin du Luxembourg

Mit einem Dach und seinem Schatten dreht
sich eine kleine Weile der Bestand
von bunten Pferden, alle aus dem Land,
das lange zögert, eh es untergeht.
Zwar manche sind an Wagen angespannt,
doch alle haben Mut in ihren Mienen;
ein böser roter Löwe geht mit ihnen
und dann und wann ein weißer Elefant.

Sogar ein Hirsch ist da, ganz wie im Wald,
nur dass er einen Sattel trägt und drüber
ein kleines blaues Mädchen aufgeschnallt.

Und auf dem Löwen reitet weiß ein Junge
und hält sich mit der kleinen heißen Hand
dieweil der Löwe Zähne zeigt und Zunge.

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Und auf den Pferden kommen sie vorüber,
auch Mädchen, helle, diesem Pferdesprunge
fast schon entwachsen; mitten in dem Schwunge
schauen sie auf, irgendwohin, herüber –

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Und das geht hin und eilt sich, dass es endet,
und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel.
Ein Rot, ein Grün, ein Grau vorbeigesendet,
ein kleines kaum begonnenes Profil -.
Und manchesmal ein Lächeln, hergewendet,
ein seliges, das blendet und verschwendet
an dieses atemlose blinde Spiel. . .“
(Rainer Maria Rilke, Juni 1906, Paris)

 

England ist wenigstens bunt!

Und: Müßte es nicht „blonder Elephant“ heißen!?

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

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