wolfsgeheul.eu vom 11.12.2016

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„Ronaldos Verdienst: 600 000 Euro am Tag“!

Manchmal fragt man sich, ob es überhaupt noch einen signifikanten Unterschied zwischen der vorgeblich seriösen Presse und der des Boulevards gibt. Gefühlt tagelang hatte Bild-Online die Einkünfte des Weltfußballers thematisiert. Da gehören 227 Millionen Euro, die zugegebenermaßen beeindruckend sind, für das Jahr 2015 von mir aus auch hin. Warum dann allerdings sogar die FAZ sich vor zwei Tagen nicht eine kleine Meldung im Sportteil mit obiger Überschrift verkneifen kann, ist mir ein Rätsel. Letztlich bedient gerade ein tageweises Herunterbrechen – obendrein sehr grob, denn genau sind es 621.917,81 Euro, eine Differenz in Höhe von gerade einmal rund 10.000 Euro weniger als das jährliche Durchschnittseinkommen in Deutschland – doch nichts anderes als den Neidsensor der normalverdienenden Leser und vor allem der offenbar kleingeistigen Redakteure.

Jeden Tag werden überbezahlte Manager, die einen Scherbenhaufen hinterlassen, geschaßt und zumeist noch mit einem goldenen Handschlag verabschiedet, unsere Parlamente sind überfüllt mit Abgeordneten, die ihr Geld nicht im Ansatz wert sind etc.. Es herrscht also Mißwirtschaft allenthalben. Dabei werden Aktionäre und Steuerzahler um ihr hart Erarbeitetes und Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz gebracht. Da gilt es, Mißverhältnisse aufzuspüren und anzuprangern.

Ronaldo aber ist, ob man mag oder nicht, ein begnadeter Fußballer, der augenscheinlich jeden Cent wert ist, den er einsteckt. Alle, die mit ihm ihr Geschäft machen, sind zufrieden und können mit Fug und Recht sagen, daß sie ein großartiges Invest getätigt haben. Sie würden es sonst auch nicht tuen, und wenn der Stern des Sportlers zu sinken beginnt, lassen sie ihn weitestgehend verlustfrei fallen und bedienen sich der aufkommenden neuen Stars in nämlicher Weise. Ein völlig normaler Vorgang in der freien Wirtschaft, der in keinster Weise zu beanstanden ist. Natürlich werden da exorbitante Summen aufgerufen und erzielt, aber das ist nicht die Schuld Ronaldos, sondern im wahrsten Sinne des Wortes sein Verdienst.

Also, liebe Redakteure der FAZ, zügelt eure Kleinkrämerseelchen, raus aus den Strickpullis und ab auf den Sportplatz! Vielleicht lernt ihr ja noch etwas, das euch ähnlich reich macht. Es wäre euch gegönnt, und ihr dürftet es gerne für euch behalten.

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

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wolfsgeheul.eu vom 09.12.2016

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„hintertatsächlich“, „nachwirklich“ oder „nachtatsächlich“ und „hinterwirklich“!

Was sollen uns diese Wörter sagen?

Gibt es Orte im deutschsprachigen Raum, die „Tatsächlich“ bzw. „Wirklich“ heißen. Und biegen wir dann hinter Wirklich rechts ab und fahren nach Tatsächlich? Vielleicht wirkt aber auch etwas nach oder es wird stofflich hinterwirkt. Sicherlich hat man im kopierwütigen und -kundigen China bereits häufig Schiesserfeinrippunterhemden nachgewirkt. Denkbar ist ebenso, daß das Hinterwirklich die Vorstufe des Hinterletzten ist. Und mancher wird schon die Tatsachen hinter den Tatsachen gesucht und erforscht oder sich gefragt haben, ob nach den Tatsachen noch etwas folgt und was das dann ist. Ein Kater ist nach der Kastrationstat tatsächlich sächlich. Und hinter einigen Straftaten stecken Menschen, die weder männlich noch weiblich, also in der Tat sächlich sind.

So richtig befriedigen können die Deutungsversuche allerdings nicht. Die Wörter sind irgendwie zu unbestimmt. Sie bringen keinen Zugewinn an Exakheit unserer Sprache, sie stiften eher im Gegenteil nur Verwirrung. Wer auch immer sie erfunden hat, ihm muß kein Dank zuteil werden. Sie können ersatzlos eingestampft werden. Wir brauchen sie nicht.

Sprache entwickelt eben so manches Mal kuriose Blüten, die sich als unnütze Eintagsfliegen und Grillen herausstellen.

Ganz anders liegt der Fall beim Wort „postfaktisch“, das natürlich absolut zu Recht gerade zum Wort des Jahres 2016 gekürt worden ist. Denn die Post ist wirklich-faktisch aus unseren innerstädtischen Immobilien verschwunden. Die heißt jetzt DHL und fährt stattdessen herum.

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

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