wolfsgeheul.eu vom 28.06.2015

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Mit dem „Business-Club Charlemagne“ hatte ich neulich die Freude, die BOB AG in Aachen zu besuchen. Firmenbesichtigungen können spannend sein, müssen es aber nicht. Diese war ein Erlebnis. Empfangen vom Vorstandsvorsitzenden, Herrn Dr. Bernhard Frohn, konnten wir nicht nur das Gebäude besichtigen, sondern erhielten auch einen hochinteressanten Vortrag! Aber, der Reihe nach!

„BOB“ bedeutet „balanced office building“. Vor dreizehn Jahren wurde in Aachen ein Bureaugebäude errichtet, welches unter den Gesichtspunkten „Energieeffizienz“ und „Nachhaltigkeit“ einen Markstein gesetzt hat; bis heute zählt das Bauwerk inklusive einiger zwischenzeitlich umgesetzter Optimierungen zu den besten in Deutschland. Das Gebäude ist modern und ansprechend, aber wie die meisten Zweckbauten kein architektonisches Highlight, soll es auch gar nicht sein. Der Fokus liegt auf Vermarktbarkeit und die Raffinesse schlummert eher im Verborgenen. Die BOB AG ist nur eine relativ kleine Planungsgesellschaft, die als Mittler zwischen Bauherr, Architekt, sonstigen Planern und den einzelnen Gewerken fungiert, so daß das Bureauhaus auch überwiegend von anderen Professionen genutzt wird. Sie ist aber das Hirn hinter allen anderen, die ansonsten weder an einem Strang zögen, noch über ihren eigenen Tellerrand hinaus an Optimierung dächten. Es sprengte meine Kolumne, ginge ich auf alle Einzelheiten ein. Deshalb seien nur ein paar Beispiele herausgegriffen. Sowohl die Kühlung als auch die Heizung werden aus Mutter Erde überwiegend gespeist. Lediglich Medienkabel und in geringem Umfange Stromversorgung braucht es von außen; Autarkie ist das nächste Ziel. Zur Beheizung und Abkühlung sind allein in den Böden/Decken verlegte Rohre verantwortlich. Heizkörper sucht man vergebens. Der Technikraum ist eine bessere Besenkammer, in der der Computer fast noch den meisten Platz beansprucht. Die Wände sind vollkommen frei von Elektroleitungen, diese verlaufen ebenfalls nur auf Decken/Böden. Damit – und das ist das erste Überraschungsmoment – findet man auch keinen fest verbauten Lichtschalter, sondern in jedem Raum ein mobiles, kleines Schalterelement, welches piezoelektronisch funktioniert und keine Batterie benötigt. Will man das Licht anschalten, reagiert der Schalter intelligent. Ist es eigentlich hell genug, versagt er auf erstes Drücken seinen Dienst und gibt dem Bediener noch einmal die Chance, seine unsinnige Entscheidung zu überdenken. Erst mit Nachdruck gibt die schlaue Technik dem dummen Nutzer nach, um aber spätestens mit Aktivierung der Alarmanlage alle, auch die unnötigen, Leuchtquellen auszuschalten. Die Außenjalousien reagieren ähnlich bedacht. Sie stellen also ihren Dienst, nämlich für die Beschattung an heißen Tagen da zu sein, nicht sofort ein, wenn die humane Raumautorität, das will, sondern teilen durch Nichtreaktion zunächst mit, daß der Raum genug Licht hat und keine zusätzliche Strahlungswärme benötigt. Auch Standardausstattungen, die zum Gebäude gehören, wie Teppichböden, werden untersucht und hinsichtlich ihres Nutzwertes und Ihrer Haltbarkeit ausgesucht. Alles in allem ein System, daß sinnvoll ist, funktioniert und maßgeblich Kosten zu sparen vermag. Da fragt man sich doch, warum dreizehn Jahre nach der Errichtung des heute noch vorbildlich funktionierenden Prototyps das noch nicht zum Standard erhoben worden ist. Alles wird national und europäisch geregelt, aber die Lobby der Energieversorger scheint sehr erfolgreiche Fortschrittsverhinderungsarbeit zu leisten, und die Bauherren und ihre Fachleute und -betriebe scheren sich ebenfalls nicht ausreichend um dieses existenzielle Thema. Es geht um Energie und damit um die wichtigste Resource, weshalb selbst der Liberalste und die kapitalistische Freiheit Verteidigende Verständnis hätte, würde hier sinnvoll stärker reglementiert. Mir jedenfalls ist es ein Rätsel, daß man allgemein nach mehr als einem Jahrzehnt nicht weiter als oder zumindest genauso weit wie die aachener Pioniere ist.

Zur Arrondierung seien noch ein paar Zahlen zur Energiebilanz von Energiegewinnung aus dem Vortrag ergänzt, die mich in ihrer Klarheit und Einfachheit beeindruckt haben. Zur Förderung von einhundert Fässern Rohöl im Nahen Osten benötigt man ein Faß davon als Energie, so daß im Ergebnis neunundneunzig gewonnen werden. Bei Nordseeöl verschlechtert sich das Verhältnis schon drastisch auf eins zu fünfundzwanzig, bei Tiefsee-Erdöl auf eins zu fünf. Windenergie steht dem Nordseeöl gleich, Photovoltaik steht bei eins zu sieben, Biogas bei eins zu drei und Bioethanol, für das grotesker Weise auch Regenwald gerodet wird, bildet mit eins zu eineinhalb das traurige Schlußlicht. Man muß kein Wissenschaftler und Volkswirt sein, um vorauszusagen, daß Energie sich drastisch verteuern wird. Wer dann nicht Vorsorge getroffen hat und mit ihr sparsam verfährt, geht wirtschaftlich vor die Hunde. Energiewende und Dekarbonisierung sind nur Worte, die Zahlen sind Realität. Wir müssen dem Thema viel mehr Aufmerksamkeit schenken und die Macht der Energieerzeuger im kollusiven Zusammenwirken mit denjenigen, die Energieverbraucher – allen voran die Automobilindustrie – herstellen, durchbrechen, wenn wir Zukunft haben wollen. Aber auch Zweckbauten sind ein wesentlicher Faktor.

Ein Hoffnungschimmer zum Abschluß! Dr. Frohn war sich auf Nachfrage sicher, daß die Menschheit die Herausforderung nicht nur annehmen, sondern auch meistern wird. Sein Wort in Gottes Ohr – und nun Licht aus!

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

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wolfsgeheul.eu vom 26.06.2015

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Letzte Woche habe ich ein bißchen auf Vorrat gekocht, so etwas wie eine Ratatouille-Bolognese. Herausgekommen ist ein Abendessen für mich sowie neun weitere Portionen zum Einfrieren. Das Gemüse vom Türken und das Hackfleisch(halb und halb) vom Metzger meines Vertrauens kosteten zusammen rund zehn Euro. Wenn man für Tomatenmark, Olivenöl und Gewürze noch großzügig einen Euro hinzurechnet und die halbe Flasche Rotwein, die der Sauce den von mir gewollten Charme verleiht, außen vor läßt, liegen wir inklusive Nudeln und Parmesan bei gut einem Euro pro Essen. Der Preis ließe sich noch maßgeblich und ohne große Qualitätsabstriche reduzieren, kaufte man das Gemüse beim Discounter. Einsparungen bei der Fleischqualität sind eher nicht empfehlenswert.

Warum erzähle ich das! Gewöhnlich rechne ich so etwas gar nicht nach. Dieses Mal ist es mir aber warum auch immer aufgefallen. Und dabei mußte ich zwangsläufig an die armen Familien denken, die von ganz geringen Bezügen leben, wobei ich nicht unterscheiden will, zwischen denen die das müssen und denen die es geschehen lassen oder gar wollen. Die, die nicht staatlich alimentiert werden, kann man schlecht reglementieren, wohingegen denjenigen, die Unterstützung nach Hartz IV erhalten, durchaus Bedingungen zum Bezug der Leistung gestellt werden könnten. Wir wissen, daß gerade in diesen gesellschaftlichen Bereichen, der Umgang mit dem knappen Geld häufig nicht gelingt und obendrein eine gesunde Ernährung deshalb auf der Strecke bleibt. Ein doppelter und dreifacher Verlust, weil wir damit auch noch potentiell kranke und augenfällig zu dicke Menschen produzieren. Das ist insbesondere für die armen Kinder ein Drama, die auf diese Weise ihrer zumindest grundsätzlich vorhandenen Chancen, dem Teufelskreis zu entrinnen, zusätzlich beraubt werden.

Warum wird also nicht mehr getan, um Anleitung zu geben, wie man mit wenig finanziellem Einsatz und in kurzer Zeit trotzdem gutes Essen herstellen kann. Wir würden den betroffenen Menschen erstens mehr Lebensqualität vermitteln und zugleich aufzeigen, daß die, die sich und ihr Leben selbst verdienen, auch in der überwiegenden Mehrzahl nicht wie die Made im Speck leben, sondern ihre knappen Resourcen sinnvoll einsetzen und etwas daraus machen. Es wird soviel unsinniges Geld ohne Kontrolle ausgegeben, daß Mittel zum Beispiel für Kochkurse und praktische Lebenshilfe ebenfalls darstellbar sein sollten. Und das wäre vielleicht sehr gut angelegtes Geld, weil sich so tatsächlich etwas zum Positiven wandeln könnte. Auch die sozialen Kontakte und das Beschäftigtsein ließen sich dieserart steigern, was nicht nur ein guter Nebeneffekt sein, sondern vielleicht sogar eine Initialzündung darstellen könnte, Grundsätzliches im Leben zu optimieren oder gar zu verändern.

Was wir bisher tuen ist überwiegend die Sicherstellung des nackten Transfers der Sozialleistung. Das ist zuwenig. Wir müssen den Betroffenen Ansprache bieten, Chancen aufzeigen und Hilfestellung leisten, wenn wir wirklich etwas bewirken wollen. Das setzt Kreativität und Kontaktbereitschaft voraus. Koppeln wir also die unteren Gesellschaftsschichten nicht weiter ab, sondern holen sie zurück in die Mitte der Gesellschaft. Essen ist dafür ein bewährtes und gutes Mittel.

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

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