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wolfsgeheul.eu vom 16.04.2015

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„Die neue Fanta Klassik“ soll heute mein Thema sein und hat mich zu einer kleinen, natürlich unwissenschaftlichen Wikipedia-Recherche angeregt.

Als ich neulich die Werbung mit der alten, geringelten, braunen Flasche sah, kam schon ein nostalgisches Gefühl auf, denn zu Zeiten, als verantwortungsbewußte Eltern ihren Kindern sehr lange das Trinken von „Coca Cola“ untersagten, war die „Fanta“ – in dieser Form in Deutschland wohl seit 1964 – etwas ganz Besonderes und die modisch neue, alternative Limonade zur alten deutschen „Sinalco“. Für Menschen meiner Generation ist die Fanta durchaus das, was die „Orangina“ für die Franzosen ist, wobei letztere auch dem Reisenden ein untrügliches Anzeichen dafür war, im Gourmetland – mit Fruchtfleisch! – „Frankreich“ angekommen zu sein.  Und anders als bei der klassischen „Coca Cola“-Flasche wußte ich übrigens nicht, daß die sogenannte „Ringflasche“ ebenfalls ein Entwurf von Raymond Loevy ist. Ein zumindest von mir unterschätzter Klassiker also! So weit, so interessant!

Hier lebt nun ein Produkt wieder auf, daß die Beschwingheit  und das Design der sechziger Jahre heraufbeschwört. Unklar bleibt dabei, ob die neue alte „Fanta“ so schmeckt wie damals. Beworben wird sie nämlich mit „Neue Sorte. Neuer Geschmack.“. Ist die Rezeptur aber nur für die neu, die sie nicht von früher her kennen und erinnern, oder insgesamt? Noch spannender ist jedoch die Frage, wer die Brause eigentlich gut finden und kaufen soll? Von den Nostalgikern, die heute stilles Wasser und Wein trinken, kann der Erfolg mutmaßlich nicht erzeugt werden. Und unsere Kinder? Wenn die unbeugbar negative Reaktion meiner Kinder auf den ersten Gebrauchtwagen meines Lebens, mein einundzwanzig Jahre altes Mercedes-Coupé der Serie W124, repräsentativ und auf Lebensmittel übertragbar ist, sehe ich auch dort nicht den Konsumenten der Zukunft, ganz abgesehen davon, daß die Jugend von heute meiner Ansicht nach eher Smoothies und Wasser trinkt als süße, klebrige Limonade.

Es offenbart sich also möglicherweise die Unsinnigkeit von Retroprodukten, da sie bei keiner Zielgruppe mehr ins Herz treffen. Der VW „Beetle“ hat abgesehen vom amerikanischen Markt, ähnliche Probleme. Die Kunst erfolgreichen, konstanten Wirtschaftens mit einem unveränderten Traditionsprodukt liegt demnach im immer neuen Gewinnen der nachwachsenden Kunden. Aus dem Stand fallen mir da zum Beispiel „Reverso“, „Underberg“, „Persil“ und „Nivea-Creme“ ein. Wenn man aber diese Linie einmal länger unterbricht, dann gehen Wiederbelebungsversuche zumeist schief. Und das halte ich auch für gut, denn Durchhaltevermögen ohne wendehälsisches Schielen nach dem aktuellen Zeitgeschmack gehört honoriert, zeigt es doch auch, daß diese Produkte bis heute besser nicht gemacht werden können. Für die „Fanta Klassik“ gilt das offenbar genausowenig wie für die aktuelle „Fanta“, die geschmacklich zwischenzeitlich verändert wurde.

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

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